Supply Chain Management im Krankenhaus

Ist ein Supply Chain Management in einem Krankenhaus möglich? Vielleicht sogar sinnvoll? In einem Krankenhaus geht es vorrangig um Gesundheit, Heilung und Menschen, nicht um Wirtschaft, oder? Und falls es doch zusammen passt, wie sieht dieses Supply Chain Management überhaupt aus? Ein spannendes Thema, welches mich seit meiner Fuß-OP und der Geburtsstunde dieses Blogs beschäftigt.

Kernprozess im Krankenhaus

Um diese Fragen beantworten zu können, überlegen wir uns zuerst zusammen, welches die Kernprozesse eines Krankenhauses sind. Falls du nicht weißt, was Kernprozesse sind oder du gerne weiterführende Informationen dazu hättest, empfehle ich dir meinen Beitrag „Kernprozesse„. Kernprozesse, werden immer aus der Sicht deines Kunden definiert und stellen für diesen einen Mehrwert dar, weswegen er dein Produkt kauft oder deine Dienstleistung in Anspruch nimmt. Für mich als Patient definiert sich der Mehrwert eines Krankenhauses in seiner besonderen medizinischen Behandlung, welche von einem spezialisierten Arzt durchgeführt wird. Besondere medizinische Behandlungen sind für mich:

  • die Erstellung einer Diagnose,
  • die Durchführung einer geplanten Behandlung/ Operation,
  • die Notaufnahme,
  • und die ärztliche Betreuung eines stationären Patienten.

Kritische Ressourcen und Mitarbeiter

Alle diese Prozesse sind direkt von einem Arzt und der entsprechenden Räumlichkeit abhängig. Warum die Räumlichkeit? Ich gehe nicht davon aus, dass du außerhalb von Kriegszeiten auf dem Krankenhausflur stationär untergebracht, geschweige denn operiert werden möchtest, oder? Arzt und Räumlichkeit entsprechen den kritischen Ressourcen des Kernprozesses, welche unter allen Umständen verschwendungsarm arbeiten sollen. Auf das Thema Verschwendungsarten (Muda) werde ich einem anderen Beitrag noch genauer eingehen.

Das Supply Chain Management am Beispiel einer Operation

Gut, nun kennen wir unsere Kernprozesse. Doch welche Prozesse sind die unterstützenden Prozesse? Solltest du diesen Begriff noch nicht kennen, empfehle ich dir meinen Beitrag „unterstützende Prozesse„. Ein unterstützender Prozess liefert auf der einen Seite den Input zum Kernprozess und auf der anderen Seite den Output des Kernprozesses ab. Lass uns das Supply Chain Management am Beispiel einer geplanten Operation durchgehen. Aus der Perspektive einer Produktion gesprochen bedeutet Supply Chain Management im Krankenhaus: Das SCM führt alle (klinischen und menschlichen) Materialien sowie Informationen den kritischen Ressourcen Arzt und Operationssaal für einen verschwendungsarm Kernprozess Operation zu. Das Bild ist ethisch wohl nicht korrekt, aber dafür trifft es den Kern der Sache recht gut, oder?

Ablauf einer Supply Chain Management optimierten Operation

Wie läuft nun eine verschwendungsarme OP ab? Der Arzt hat neben seinen benötigten Pausen zur Regeneration und Konzentrationserhalt keine Wartezeiten zwischen den Operationen. Er findet ausschließlich die Instrumente, Gerätschaften und Informationen, die er für diese vorzunehmende OP benötigt, vor. Das Werksstück (der Patient) liegt bereits in einem operierbaren Zustand (Narkose, Betäubung, Schlafmittel, etc.) auf dem Tisch. Neben dem Arzt befindet sich zeitgleich sein Assistenzteam mit im Raum, welches er bei der Operation benötigt. Jeder Handgriff ist zwischen Arzt und Team abgestimmt, so dass die OP nicht unnötig länger dauern muss als notwendig. Nach erfolgreicher OP wechselt der Arzt den Saal für die nächste OP unter gleichen Bedingungen. Währenddessen wird der Patient von einem Assistenzteam aus dem OP-Raum gebracht und weiter versorgt. Der OP-Saal wird für die nächste Operation vorbereitet.

Supply Chain Management im Krankenhaus - Ablaufplan Operation
Ablaufplan einer Supply Chain optimierten Operation (Zeiten sind beispielhaft gewählt)

Voraussetzung für eine Supply Chain Management optimierte Operation

Für einen Supply Chain Manager hört sich das nach einem Idealbild eines perfekt standardisierten unterstützenden Prozesses an. Wenn du mich fragst, ob das nicht der Standard in Krankenhäusern ist, werde ich dir erwidern: Wie verschwendungsarm und standardisiert sind die unterstützenden Prozesse in deinem Unternehmen? Warum sollen Mitarbeiter in Krankenhäusern und Ärzte bessere Supply Chain Manager sein? Um diesen Idealprozess abzubilden müssen viele Rädchen ineinander greifen. OP-Zeitpläne müssen korrekt sein und mit der Raumbelegung übereinstimmen. Das Informationssystem des Krankenhauses muss funktionieren, damit die richtigen Instrumente und Gerätschaften vor Ort sind. Das Fachpersonal zur Vorbereitung des Patienten, bzw. OP-Raums muss entweder standardisierte Vorbereitungslisten pro operativen Eingriff vorfinden oder sehr gut ausgebildet sein. Es müssen genügend Räume zur Vor- und Nachbereitung, sowie für den operativen Eingriff selbst vorhanden sein. Alle eingebundenen Mitarbeiter müssen im Lean Management geschult sein und die Mindestanforderungen verstehen. Und so weiter und so fort.

Kommentare erwünscht

Als Teaser und für dich zur Motivation weiter an deine Prozesse zu arbeiten, habe ich dir ein Video eines voll standardisierten und verschwendungsarmen Prozesses verlinkt (Video). Damit kommen wir zum Ende des Blogs „Supply Chain Management im Krankenhaus“. Ich hoffe, dass ich dir ein gelungenes Bild vermitteln konnte, welches dir in deinem Job weiter hilft und dich mit einem anderen Auge die Prozesse um dich herum betrachten lässt. Ich freue mich auf dein Kommentar, wenn mir dies gelungen ist.

Dein René

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