Das 3-Schichtmodell: Der Kernprozess

Das Supply Chain Management ist lediglich eine Supportfunktion vom Kernprozess! #WHAM!

Ich lasse das kurz sacken, da sich jeder Supply Chainer, der sich nach diesem Satz nicht schon einem anderen Artikel zugewandt hat wahrscheinlich in Atemnot geraten sein wird… Supply Chain ist doch der wichtigste Bereich im Unternehmen, um seine Produkte oder Dienstleistungen effizient am Markt anbieten zu können!? Wie kann René so einen dämlichen Satz posten?! Aber ich stehe zu meiner Aussage: Das Supply Chain Management ist lediglich eine Supportfunktion vom Kernprozess! Lass es mich dir erklären indem ich dir eine Fragen stelle:

Warum kauft der Kunde in deinem Unternehmen ein Produkt oder eine Dienstleistung ein?

Wegen der megakrassen Supply Chain? Eher nicht. Die Antwort besteht aus VWL- und BWL- Elementen: Der Kunde hat einen Bedarf und der Kunde sieht in dem Produkt oder in der Dienstleistung deines Unternehmens für sich einen Mehrwert (gegenüber dem Konkurrenzangebot)! Dieser Vorteil kann örtlich, zeitlich, preislich oder emotional sein. Aber er kauft das Produkt oder die Dienstleistung nicht, weil du diese so geil verpackt, geliefert oder auf Lager liegen hattest. Für den Kunden ist es wichtig, dass es für ihn verfügbar ist (oder warum kaufst du bevorzugt bei Amazon)…leider traurig für jeden Supply Chain Manager, aber das ist die Realität.

Der Kernprozess aus Supply Chain Sicht

Doch was ist aus Supply Chain Sicht nun ein Kernprozess? Im Produktionsbetrieb ist es der Prozess, der einen Mehrwert am Produkt generiert, in der Regel die Fertigung. Bei Handelsunternehmen ist es der Prozess, der das Produkt mit geringstmöglichen Mehrkosten dem Kunden verfügbar hält, also Einkauf und Inhouse Logistik. Im Entwicklungsbetrieb ist es der Engineering-Prozess, im Design-Büro ist es die Grafikabteilung, im Gaming-Bereich der Spieleentwickler, etc…

Prozessschichten im Unternehmen
Prozessschichten im Unternehmen

Den Kernprozess identifizieren

Die Kaufentscheidung des Kunden wird vorrangig durch die Qualität und dem Bezugspreis des Produkts oder der Dienstleistung beeinflusst, die maßgeblich durch den Kernprozess geprägt wird. Der Marketing-Experte wird mir wahrscheinlich widersprechen, da sich die Kaufentscheidung für ein Produkt durch Marketingmaßnahmen verändern lässt. Das ist ohne Zweifel der Fall! Jedoch glaube ich nicht, dass Apple nur aufgrund seines Marketings eine so große Fangemeinde hat. Die Produkte haben lange Zeit überzeugt und waren der Konkurrenz aufgrund deren Kernprozess weit voraus! Wer jetzt der Meinung ist, dass Apple für sich die Fertigung als Kernprozess definiert hat, der liegt leider falsch. Apple hat die Fertigung seiner Produkte an Dienstleister outgesourct, die diesen Prozess für sich als Kernprozess definiert haben. Apple’s Kernprozess ist das Research & Engineering!

Wie du anhand dieses Beispiels erkennen kannst, ist es nicht trivial seinen Kernprozess zu identifizieren. Je polypolistischer die Marktstruktur, desto schwieriger wird es. Hier hilft nur viel Brainstorming, eine Marktanalyse und gesunder Menschenverstand. Natürlich ist es auch möglich einen Kernprozess künstlich zu generieren, indem man viel Zeit und Ressourcen darin investiert.

Umgang mit dem Kernprozess

Hast du deinen Kernprozess identifiziert, gilt es diesen wie die Kronjuwelen zu hüten, schützen und zu pflegen, schließlich grenzt du dich durch diesen von deinem Wettbewerb ab. Doch durch hüten alleine wird dein Produkt oder deine Dienstleistung nicht besser. Viele Management-Methoden, u.a. Lean Production oder Theory of Constraints, setzen beim Kernprozess an. Bitte verwechsele Lean Production nicht mit Lean Management. Lean Production ist wie TPM (total productive maintenance) ein Bestandteil des Lean Management Werkzeugkoffers und dieses kann sowohl bei unterstützenden als auch unternehmensübergreifenden Prozessen angewandt werden. Ich bin ein sehr großer Freund von Lean Management-Methoden, weil ich in jedem Unternehmen erstaunliche Verbesserungen erreichen konnte, dennoch ist es kein Allheilmittel. Insbesondere in kreativen, nicht getakteten Kernprozessen hat sich Lean Production als kein guter Ratgeber erwiesen. Meiner Erfahrung nach hat sich die Scrum-Methode für diesen Bereich besser bewährt.

Sofern du für dein Unternehmen deinen Fertigungs- oder Logistikbereich als Kernprozess identifiziert hast, möchte ich dir eine Frage stellen? Erhalten die Kollegen /-innen in diesem Bereich schon die berufliche Wertschätzung der gesamten Firma, die ihnen aufgrund des Kernprozesses zusteht?

Kommentare erwünscht

Damit kommen wir zum Ende des Blogs „Kernprozess im Unternehmen“. Ich hoffe, dass ich dir ein gelungenes Bild von Kernprozessen vermitteln konnte, welches dir in deinem Job weiter hilft und dich mit einem anderen Auge die Prozesse um dich herum betrachten lässt. Ich freue mich auf dein Kommentar, wenn mir dies gelungen ist.

Dein René

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